Wasser marsch in Bambergs Gassen
08.11.2010
FBL Öffentlichkeitsarbeit - Alexander Wilhelm
FEUERWEHR 41 Jugendfeuerwehren kämpften am Samstag um Punkte und Pokale in der Weltkulturerbestadt. Die Bamberger Jungfeuerwehrfrau Vera Schäfer war eine von rund 200 Teilnehmern aus ganz Oberfranken.
Bamberg - 19,77 Sekunden im ersten Anlauf, nicht schlecht! Die beistehenden Feuerwehrmänner nicken anerkennend, und Vera Schäfer (16 Jahre) lacht erleichtert und zufrieden. Gerade eben hat sie mit ihrem Mitstreiter Dominik Rampel (17) eine Handpumpe bedient, wofür die beiden den Schlauch entrollt, die Pumpe mit Wasser befüllt, und letztlich einen kleinen Eimer zielsicher vom Podest gespritzt haben. Es ist nur die erste von insgesamt 13 Stationen, an denen sich Jugendfeuerwehren aus ganz Oberfranken an diesem Samstag beweisen müssen. Der Siegermannschaftwinkt die Teilnahme am bayernweiten Entscheid, und natürlich wollen die vier Bamberger Lokalmatadoren den Heimvorteil heute nutzen. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Feuerwehr Bamberg fand der 17. Bezirksjugendleistungsmarsch 2010 in der Domstadt statt.
Rückblende. Es ist der Donnerstag vor dem Wettkampf, und Vera und ihre drei Mitstreiter Dominik, Daniel Pederzolli (16), und Alexander Ohme (16) üben ein letztes Mal die gemeinsamen Handgriffe, die Knoten, technische Fragen, und das Ineinandergreifen als Gruppe. Obwohl erst seit Januar in der Bamberger Jugendfeuerwehr aktiv, darf Vera an diesem Wettbewerb bereits teilnehmen, was sie natürlich als Auszeichnung und Bestätigung empfindet. Anders als bei ihren drei Freunden war ihr der Weg in die Feuerwehr nicht familiär vorgezeichnet. "Ich wollte einfach was Sinnvolles in meiner Freizeit machen, und hab mich dann im Internet informiert", bekennt sie ganz pragmatisch. Ihre erste Erfahrung war eine theoretische Stunde im Januar, Materialkunde. "Es war gleich so interessant und kameradschaftlich, dass ich geblieben bin", schwärmt die Schülerin vom E.T.A.-Hoffmann Gymnasium noch immer. Seit dem ist sie eine der derzeit 24 Jugendlichen, die behutsam an die verantwortungsvolle Aufgabe als Feuerwehrmann und Ðfrau herangeführt werden. Vor der Aufnahme als solcher steht die "Truppmannprüfung", die mit 18 zu absolvieren ist. "Mindestalter ist zwölf Jahre, und bis 18 dürfen die Jugendlichen nur in einem Sicherheitsbereich an echten Einsätzen teilnehmen", so Feuerwehrmann Heinrich Pfister und Stadtjugendwart Alexander Willhelm, die beide die Übung der vier an diesem Donnerstagabend streng überwachen. Die erste Frau wurde 2004 in die Bamberger Feuerwehr aufgenommen, und derzeit seien drei junge Frauen in der Jugendfeuerwehr, so Pfister, der selbst ebenfalls schon seit seinem 16. Lebensjahr Feuerwehrmann ist. "Natürlich könnten es von Jungen und Mädchen gern mehr sein, aber der Trend ist leider leicht rückläufig." Ausgebildet werde stets an jedem zweiten Freitagabend, im Winter nur theoretischer Unterricht, dazu kommen weitere Treffen, Feiern, und natürlich Einsätze. "Es ist schon ein bisschen wie eine große Familie", bestätigt auch Vera. Und was sagt ihre Familie dazu? "Die finden es gut, dass mir so was Sinnvolles so viel Spaß macht." Von einer Tante kamen besorgte Einwände, aber die konnte sie schnell abwehren, sagt die 16-Jährige selbstbewusst und etwas abgelenkt. Der Brustbandknoten, den sie gerade knüpft, fordert ihre ganze Konzentration und muss am Samstag wie von selbst von der Hand gehen. Zurück zum Wettbewerb. Null Fehlerpunkte beim ersten Test, dazu eine hervorragende Zeit. Die anfangs noch etwas angespannte, konzentrierte Stimmung unter den vier Freunden lockert sich allmählich, erste Witze werden gemacht. Dazu fällt leichter Nieselregen auf die Stadt, die quasi überquillt von hoch motivierten jungen Feuerwehrleuten und blitzblanken Einsatzwagen. Selbst ein spontaner Großbrand hätte heute wohl kaum eine Chance.
Die zweite Prüfung führt die Gruppe zur Konzerthalle, wo ein rund 15 Meter langer C Schlauch möglichst schnell und möglichst gerade entrollt werden muss. Im Ernstfall gingen wichtige Sekunden verloren, würde der Schlauch eine Knick machen Ð die vier schlagen sich auch hier wieder wacker. Dann, vor dem Stadtarchiv, ist wieder Mannschaftsgeist gefragt. Mithilfe eines speziellen Knotens muss die Spritzpistole sicher eine Leiter hinauf befördert werden. Schnelle Kommandos, Konzentration und für Außenstehende Unverständliche Begriffe wie Mastwurf, Halbschlag, C-Schlauch, und Kupplungsschlüssel kennzeichnen die Prüfungen. Die Ausbildung, die Vera durchläuft, ist auch eine Einführung in eine neue Sprache, eine Terminologie der Lebensrettung, die ihr in Fleisch und Blut übergehen muss, wenn sie später bei gefährlichen Einsätzen Verantwortung übernehmen will. Trotz gutem Willen und viel Einsatz reicht es für Vera und ihre drei Mitstreiter zum Schluss nicht für einen der vorderen Plätze. Siegerwurden die jungen Teilnehmer aus Zedtwitz/Landkreis Hof. Wichtiger dürfte aber ohnehin sein, dass sie einmal mehr als Gruppe üben konnten. Im Ernstfall hilft keine Auszeichnung und kein Pokal dieser Welt.


